Margaretha Reichardt - Persönlichkeiten - Erfurt Tourismus

Margaretha Reichardt, Erfurt, 1942 Angermuseum Erfurt, Nachlass Margaretha Reichardt

Margaretha Reichardt

Die 1907 geborene Margaretha „Grete“ Reichardt ist eng mit der Bauhaus-Geschichte Erfurts verbunden und war neben Gunta Stölzl eine der erfolgreichsten Textilgestalterinnen dieser Epoche. Nach vierjähriger Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Erfurt begann sie 1926 ihr fünfeinhalbjähriges Studium am Bauhaus Dessau. Hier nahm sie am Unterricht von Paul Klee, Joost Schmidt und Wassily Kandinsky teil. Im Alter von 20 Jahren begann sie mit verschiedenen Garnen und Stoffen zu experimentieren. So verbesserte sie die Eigenschaften des festen und strapazierfähigen Eisengarns, welches später zu Gurten verwebt als Bespannung für die von Marcel Breuer entwickelten Stahlrohrmöbel diente. Margaretha Reichardt entwickelte  sowohl Stoffe für die Bespannung von Flugzeugsitzen als auch Textilien mit schalldämpfenden und lichtreflektierenden Eigenschaften.

1929 legte sie ihre Gesellenprüfung am Bauhaus ab und war bis 1930 freie Mitarbeiterin der Weberei. Nachdem sie 1931 ihre Ausbildung als Textilgestalterin abschloss, hielt sie sich kurz bei Grafiker Piet Zwart in den Niederlanden auf und kehrte 1933 nach Erfurt zurück, wo sie ab 1934 die „Handweberei Grete Reichardt“ aufbaute. Ab dem Jahr 1939 wohnte und arbeitete sie in Bischleben. Dort schuf sie in über 50 Jahren ein herausragendes Werk und entwarf verschiedenste Stoffe für Wand- und Bodenteppiche, Kleiderstoffe, Möbel- und Dekostoffe. Ab 1936 stellte sie ihre handgewebten Textilien in verschiedenen Museen und auf Kunsthandwerksaustellungen aus. Im Jahr 1942 legte Grete Reichardt ihre Meisterprüfung ab. Es folgten viele Arbeiten für Museen, Theater und öffentliche Einrichtungen. Die freischaffende Designerin bekam 1953 ein Angebot für eine Dozentur an der Hamburger Landeskunstschule. In den folgenden Jahren wurde Margaretha Reichardt mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter die Ehrenurkunde des Ministeriums für Kultur, der Handwerkskammer und des Verbandes Bildender Künstler der DDR. In ihrem Wohn- und Arbeitshaus in Erfurt-Bischleben bildete sie bis 1984 über 50 Schüler aus. Des Weiteren engagierte sich die Künstlerin seit den 1970er Jahren für den Erhalt des Bauhaus-Erbes in Weimar und Dessau.


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