Im Rahmen des ADAC Monitors „Mobil in Mittelgroßstädten“ hat der ADAC nach 2021 erneut die Zufriedenheit von Einwohnern und Pendlern in Städten mit weniger als 500.00 Bewohnern mit ihrer persönlichen Mobilitätssituation untersucht. Das Ergebnis: Im Vergleich zu 2021 sank die bundesweite Zufriedenheit über alle Verkehrsarten hinweg leicht von 21 auf 17 Indexpunkte. Nur in wenigen Städten, wie der thüringischen Landeshauptstadt, blieb die Zufriedenheit auf dem gleichen Stand wie vor fünf Jahren (29 Indexpunkte). Im Gesamtranking der 29 untersuchten Mittelgroßstädte lag Erfurt damit auf Rang 3.
Städteranking in Puncto Zufriedenheit
Als Grundbedürfnis der sozialen und wirtschaftlichen Teilhabe ist Mobilität für Menschen unverzichtbar. Die Erreichbarkeit der Städte und die Qualität der urbanen Mobilität gelten als wichtige Standortfaktoren für Lebensqualität, Tourismus und wirtschaftliche Attraktivität. Wie bereits 2021 liegt die Zufriedenheit der Erfurter Pendler und Einwohner auf einem hohen Wert. Nur in Münster waren die Menschen noch zufriedener (Indexwert 32) – Freiburg lag gleichauf mit Erfurt. Untersucht wurden die örtlichen Mobilitätsstrukturen für die Bereiche Pkw, Fahrrad, Fußverkehr und öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV).
Besonders zufrieden waren die Erfurter mit dem ÖPNV-Angebot: Im Vergleich zu 2021 stieg die Zufriedenheit hier um 9 Indexpunkte deutlich von 45 auf 54. Bei den anderen Mobilitätsformen ging die Zufriedenheit hingegen leicht zurück (Pkw: 9 auf 7, Fahrrad: 22 auf 17, Fußgänger: 42 auf 39).
Einzelergebnisse im Überblick
Das ÖPNV-Angebot in Erfurt überzeugt Einwohner wie Pendler durch die Zuverlässigkeit der Busse und Bahnen (Erfurt: 64; bundesweit: 24), die Taktung der Verbindungen (Erfurt: 71; bundesweit: 36) sowie durch eine hohe Verfügbarkeit direkter Verbindungen (Erfurt: 62; bundesweit: 31). In diesen drei – für den ÖPNV entscheidenden Kategorien – erhält Erfurt bundesweit die höchsten Zufriedenheitswerte und setzt sich damit klar von anderen Städten ab. Überwiegend unzufrieden sind die Befragten beim ÖPNV-Angebot hingegen mit dem Preis-Leistungsverhältnis. Auch beim Sicherheitsgefühl an den Haltestellen gibt es laut Befragung Nachholbedarf, hier waren weniger als die Hälfte der Befragten zufrieden.
Autofahrer in Erfurt bewerten die Straßeninfrastruktur hinsichtlich der Anzahl an kreuzungsfreien Ring-/ Hauptstraßen sowie der Anzahl an Fahrspuren als positiv (Erfurt: 19; bundesweit: 2). Auch mit dem Verkehrsfluss (Erfurt: 28; bundesweit: -2) sowie der Schaltung der Ampelanlagen (Erfurt: 18; bundesweit: -4) im Stadtgebiet sind die Befragten überdurchschnittlich zufrieden. Weniger Zufriedenheit besteht hingegen mit dem Baustellenmanagement (Erfurt: -31, bundesweit: -42) sowie dem Straßenzustand (Erfurt: -33, bundesweit: -20). Im Gegensatz zu den meisten anderen Städten überwiegt allerdings die Zufriedenheit in Erfurt hinsichtlich der Mobilitätsbedingungen mit dem Auto und weist mit +7 Indexpunkten einen positiven Saldo aus.
Die Zufriedenheit der Radfahrer hat im Vergleich zu 2021 leicht nachgelassen. Die thüringische Landeshauptstadt liegt damit im Städteranking im unteren Mittelfeld (Erfurt: 17; bundesweit: 20). Positiv wurde der Zustand der Radwege, die Verfügbarkeit von Fahrradstellplätzen an ÖPNV-Stationen sowie die Wartezeit an Ampeln bewertet. Kritischer wurde das Verhalten von E-Scooter-Fahrern sowie das Angebot an Radwegen gesehen, obwohl der Ausbau des Radwegenetzes seit 2021 voranschreitet.
Erfurts Fußgänger sind vor allem mit den direkten Wegen sowie der Gehwegbreite in der Stadt zufrieden. Auch die Aufenthaltsqualität sowie das Angebot der gesicherten Querungsmöglichkeiten überzeugen in der Befragung. Negativ sehen Fußgänger das teilweise rücksichtslose Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer wie E-Scooter- und Fahrradfahrer.