Der Erfurter Schatz
Station 10
1998 wurde bei einer Ausgrabung im Hofbereich des Grundstücks Michaelisstraße 43 ein umfangreicher Schatzfund entdeckt. Unter der Mauer eines Kellerzugangs waren Silbergeschirr und Schmuckstücke, silberne Münzen und Barren aus dem ausgehenden 13. und der ersten Hälfte des 14. Jh. vergraben worden. Die Lage der Fundstelle mitten im ehemaligen jüdischen Quartier wie auch Teile des Schatzinventars, vor allem ein jüdischer Hochzeitsring, deuten auf eine jüdische Familie als ehemalige Besitzer
Aufgrund der Datierung des Schatzinventars lässt sich die Verbergung mit dem Pogrom vom 21. März 1349 in Verbindung bringen. Unter dem Vorwand, die Juden hätten die Brunnen vergiftet, wurde das jüdische Viertel angegriffen. Bei den Ausschreitungen brannte das Viertel um die Synagoge ab und die ganze jüdische Gemeinde kam um, die mit etwa 300 Mitgliedern und bedeutenden Gelehrten eine der wichtigsten ihrer Zeit war.
Als letzter nachweisbarer Eigentümer des Grundstückes vor dem Pogrom kommt der jüdische Geldhändler Kalman von Wiehe als ehemaliger Besitzer des Schatzes in Frage. Er überlebte nachweislich den Pogrom von 1349 nicht. Heute ist der Erfurter Schatz im Museum Alte Synagoge zu besichtigen.