Fleischbänke der Juden
Station 14
Im Gegensatz zur lockeren Bebauung in der Michaelisstraße, wo Patrizier und Großhändler lebten, war der Bereich am Fluss Gera dichter bebaut. Auch hier lebten Christen und Juden nebeneinander, aber deutlich dichter gedrängt. Zudem befand sich hier der Zugang zur Mikwe sowie der Friedhof der Benediktskirche.
In diesem Bereich sind spätestens seit 1332 auch vier Fleischbänke der jüdischen Gemeinde nachweisbar: In diesem Jahr stellte Heinrich von Bibra, Verwalter des Mainzer Erzbischofs, nach Recherchen in alten Registern ein Verzeichnis der Einkünfte des Erzbischofs zusammen, in denen er auch die Einnahmen in Höhe von 40 Denaren von den Fleischbänken der Juden aufführt.
An den jüdischen Fleischbänken konnten sich Jüdinnen und Juden mit koscher geschlachtetem Fleisch versorgen. Nicht koschere Teile der geschlachteten Tiere – z.B. die hinteren Extremitäten – wurden an Christen verkauft. Auch darüber gibt die Quelle vom Jahr 1332 Auskunft: Juden mussten ihr aufgrund der Speisegesetze unbrauchbares Fleisch „unter dem Judenhut“ verkaufen. Das bezeichnete wahrscheinlich einen bestimmten Marktbereich – oder bestimmte es, dass sich der Verkäufer mittels Judenhut kenntlich machen musste?