Der Benediktsplatz
Station 15
Der Benediktsplatz
Der Bereich um den Benediktsplatz war seit dem Hochmittelalter der Mittelpunkt der über einen Kilometer weit ausgedehnten Erfurter Marktbereiche. Hier trafen sich europäische Fernwege aus allen Himmelsrichtungen.
Rund um den zentralen Flussübergang lohnte sich aber auch Kleinhandel mit wertvollen Waren und Reisendenbedarf. So finden sich hier und in den umliegenden Gassen sowohl Goldschmiede sowie Fell- und Tuchhändler als auch Messerschmiede, Beutler, Taschner, Senkler oder Hutmacher. Die Krämerbrücke ist bereits seit dem 12. Jh. nachgewiesen. Sie war wichtiger Flussübergang aber auch die Gasse der Krämer, die Kleinhandel mit wertvollen Waren betrieben: orientalische Gewürze, Seidenstoffe, Gold oder Farbstoffe. Bei den Brückenkrämern handelte es sich um zunftgebundene Christen – daher wohnten nie Juden auf der Brücke.
Im Gebiet um den Benediktsplatz lassen sich jedoch seit dem 13. Jh. viele Juden nachweisen. Sie bewohnten Tür an Tür mit wohlhabenden Christen oft auch prominente Häuser (s. Nr. 2, 3, 4 sowie den Kartentisch in der Alten Synagoge) und Steingebäude in Ecklage, wie den Stadthof zum Römer an der nordöstlichen Ecke des heutigen Rathauses.
Direkt in diesem bunten, vom Handel geprägten Viertel stand jedoch die Benediktskirche. Für den Pfarrer der Kirche bedeutete die zunehmende Anzahl der Juden in seiner Pfarrei schwindende Einnahmen aus der ohnehin kleinen Gemeinde. 1240 entschied der Mainzer Erzbischof zugunsten des Pfarrers, dass die Juden nun ebenfalls Pfarrabgaben zahlen sollten. Doch nahmen diese diese Regelung anscheinend nicht einfach hin. 1274 vermittelte der Stadtrat einen Vergleich, nachdem die Juden eine feste jährliche Abgabe an den Pfarrer zahlen sollten.