Alte Synagoge
Station 7
Die jüdische Gemeinde in Erfurt wird ab dem späten 11. Jahrhundert greifbar, denn der erste nachgewiesene Bau der Alten Synagoge fällt in diese Zeit. Bis ins 14. Jahrhundert hinein wurde das jüdische Gotteshaus mehrfach umgebaut und an die Bedürfnisse der wachsenden Gemeinde angepasst. So spiegelt die Bau- und Nutzungsgeschichte der Synagoge auch die Geschichte der jüdischen Gemeinde wider.
Um 1270 entstand ein hoher repräsentativer Giebelbau, der noch heute das Aussehen der Synagoge prägt. Die Schaufassade im Westen mit einer großen Fensterrosette ist noch heute vom Nachbargrundstück aus zu erkennen. Über Jahrhunderte lebten Juden und Christen neben- und miteinander im Zentrum Erfurts. Das Jahr 1349 brachte ein jähes Ende. In Europa war die Pest ausgebrochen und die christliche Bevölkerung machte die Juden für die Seuche verantwortlich. Daher kam es an vielen Orten zu Judenverfolgungen, so auch in Erfurt. Am 21. März 1349 überfielen Aufrührer das jüdische Quartier. Sie erschlugen eine große Anzahl von Juden, die Häuser um die Synagoge brannten ab. Die gesamte Gemeinde wurde ausgelöscht, bis zu 400 Menschen starben.
In der Folge des Pogroms brachte der Erfurter Rat die Synagoge in seinen Besitz und verkaufte sie an einen Händler. Dieser baute sie in ein Lagerhaus um. Mitte des 19. Jahrhunderts zog eine Gaststätte in das Gebäude ein: Im Obergeschoss befand sich ein Tanzsaal, im Erdgeschoss Küchen- und Gasträume sowie im Keller eine Kegelbahn. Verschiedene Anbauten umschlossen das Synagogengebäude fast vollständig, sein ursprünglicher Nutzen verschwand aus dem öffentlichen Bewusstsein. Entsprechend brannten die Nationalsozialisten 1938 die damals aktiv genutzte Große Synagoge nieder, nicht aber die Alte Synagoge.
Ende der 1980er Jahre wiederentdeckt, untersucht und saniert befindet sich hier seit 2009 ein Museum. Die Exponate erzählen von einer Blütezeit jüdischen Lebens und sind gleichzeitig ein wichtiger Bestandteil der Erfurter Stadtgeschichte.